KERSTIN KUZIA

Nur wer mit meinen Augen sehen, mit meinem Mund sprechen und mit meinen Füßen meinen Lebensweg beschreiten kann - der weiß wahrhaftig was ich erlebt habe  !!!!!

ZEITZEUGIN DES DDR JUGENDHILFE UND ERZIEHUNGSSYSTEMS

Aktuelle Neuigkeiten

Kerstin Kuzia im OSZ

 

Eine Überschrift, die so neu nicht ist, denn die Zeitzeugin Kerstin Kuzia weilte am 12. und 13.1 2012 bereits zum 3. Mal bei uns. Die Klassen FOS 10/2, FSE 11 und die GOST 11 waren aufmerksame Zuhörer und interessierte Gesprächspartner.
Kerstin Kuzia hat einige Jahre ihrer Jugend zu DDR-Zeiten im Jugendwerkhof, davon 4 Monate im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau zugebracht.
Was ihr während dieser Zeit angetan wurde, ist für uns heute kaum vorstellbar.

 

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Schülerfeedback:

 

„Liebe Frau Kuzia, Sie haben es mir ermöglicht, einen Einblick in die Situation der Heime, sowie der offenen und des geschlossenen Jugendwerkhofes zu bekommen. Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.“ Jennifer

 

„Ich finde es einfach bemerkenswert, wie Sie heute mit der Sache umgehen, auch wenn es immer noch Themen gibt, über die Sie nicht reden können. Es ist wichtig, dass Menschen wie Sie anderen helfen.“ Charleen

 

„Dass, was dort alles mit Menschen gemacht worden ist, ist einfach nur grausam und so etwas darf nie wieder passieren.“ Theresa

 

„Die meisten Jugendlichen heute sind schon von kleinen Dingen oder Ereignissen überfordert. Deshalb kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, so etwas zu durchleben und dann auch noch die Kraft zu haben, in der Öffentlichkeit darüber zu reden und anderen zu helfen. Aus diesem Grunde habe ich großen Respekt vor Ihnen.“ Nico

 

„ Viele Sachen, die angesprochen wurden, waren für mich schockierend und unvorstellbar…“ Christian H.

 

„Die ausführliche Beschreibung davon, wie die Betroffenen noch heute unter den Folgen leiden, hat mir am meisten gezeigt, wie schlimm das alles damals war.“ Florian

 

„…Des Weiteren kann ich nicht verstehen, was in den Köpfen dieser herzlosen, so genannten Erzieher vor sich ging…“ Markus

 

„Ich finde es auch sehr bemerkenswert, dass Sie sich so sehr für die anderen Opfer dieses Systems einsetzen.“ Melissa

 

Spannend fand ich auch, was Sie über die Erziehung Ihrer Kinder berichtet haben. Ich hätte mir gewünscht, dass das meine Eltern hören könnten.“ Max

Willi Bald Gluck Gymnasium Neumarkt Willi Bald Gluck Gymnasium Neumarkt

29.06.2011 TREFFEN MIT SENATSLEITUNG FÜR FAMILIE UND JUGEND IN BERLIN

heute traf ich mich mit dem Leiter der Senatsverwaltung und der Beauftragten für die Heimakten- Berlin .

Sowohl mit dem Leiter und auch der Beauftragten dort in der Senatsverwaltung sind wir noch einmal auf das Thema einsichtnahme in die damaligen Heimakten der jeweiligen Jugendämter von Berlin gekommen. Um hier wirklich für die Betroffenen eine vereinfachte und Menschliche Aktenbeantragung und Einsichtnahme zu erlangen, erklärte mir die beiden, daß sie seit einem halben Jahr in jedem Jugendamt Berlins einen Ansprechpartner für die Akteneinschit eingesetzt haben und dies auch vom Parlament ständig kontroliert wird.

Da aber das Misstrauen der ehemaligen Betroffenen noch immer sehr groß ist haben wir überlegt wie man dem entgegen kommen kann. Sie gaben mir die Liste aller Mitarbeiter der Jugendämter um gegebenen Falls sie an die Betroffenen, die sich sehr oft erst einmal bei mir melden , weiter geben kann. Sollte es dabei Probleme geben kann ich mich jederzeit an die beiden wenden mit der Auskunft das sie sich dann persönlich um die Angelegeheit kümmern. Es dauerte auch garnicht lange nach diesem Gespräch und ich nahm Ihre erste Hilfe gleich in Anspruch für einen Betroffenen.

Hier muss ich sagen hat sich sehr viel positieves getahn ich bin sehr beeindruckt wie freundlich und Hilfsbereit hier die Senatleitung mich unterstütz für ehemalige Betroffene aus Berlin.

Hiermit möchte ich mich für die gute enge Zusammenarbeit bei Herr Henn und Frau Güttler recht herzlich bedanken und hoffe wir arbeiten weiter so gut zusammen.

27.06.2011 Treffen mit Christine Bergmann ( Beauftragte des Bundestages für eine Empfhelung zur Rehabilitierung der Heimkinder )


Schon in Ihrer Empfehlung mahnte Frau Bergmann an das sich ebensoviele Ost-Heimkinder bei Ihr in der Beratungsstelle gemeldet haben und von fast gleichen Missständen und Erziehungsmethoden erzählten wie schon von der katholischen Kirche aufgedeckt wurde.

Mit dem Vorsitzenden der UOKG Rainer Wagner und Frau Schulz traf ich mich also am 27.06. Im Ministerium für Familie mit Frau Bergmann, um Ihr noch einmal auch von vielen Heimkindern die ich betreue oder berate und die sich nicht trauen in Anlaufstellen zu melden zu berichten. Dazu haben mir viele ehemalige Heim und Jugendwerkhofkinder Mail s geschickt mit Ihren persönlichen Erfahrungen in den unterschiedlichsten Einrichtungen aber auch gesammte Biographien und Meinungen dazu. Dies las ich Frau Bergmann vor und sie war sichtlich erschüttert. Ebenfalls erzählte sie mir wie erschütternd für sie teilweise die Beratung ist mit betroffenen. Sie fragte mich ebenfalls nochmal was wäre wo am wichtigsten aus meiner Sicht . Ich hatte wirklich das Gefühl das Sie sich der Sache voll angenommen hat und wirklich versuchen will für das entstandene Unrecht an Kindern und Jugendlichen mit zu kämpfen. Ich war sehr aufgeregt aber sie nahm mir die Aufregung und es wurde für alle ein gutes Gespräch.
Danach ging es nahtlos rüber in den Bundestag zur Anhörung für Heimerziehung.
Auch das war ein sehr wichtiger und ich denke Entschiedener Termin. Auf Antrag der CDU, FDP, die Grünen Fraktionen auf Entschädigung aller Heimkinder , fand dort eine Anhörung von Experten statt .
Und auch dort ist festgestellt und empfohlen worden das die West sowie die Ost Heimkinder in ein Entschädigungsgestz aufgenommen werden sollen.  
Alles in allem ein sehr aufregender Tag und mir hat ordentlich der Kopf gequalmt.

EVANGELICHER KIRCHENTAG IN DRESDEN 2011

Tanzperformance " Schocktherapie" in der Gedenkstätte Bautzenerstr. mit Zeitzeugengespräch

Courage zeigen !

Gegen Rassismus - Für Demokratie !

http://www.politische-bildung.nrw.de/imperia/md/content/veranstaltungsprogramme/2011/12.pdf

Aktionstag für Schülerinnin und Schüler im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit vom 17. -18. März 2011 im Minden

WORKSHOP DES RUNDEN TISCHES HEIMERZIEHUNG DER 50ER UND 60ER JAHRE

seit März vertrete ich offiziell als Beauftragte der UOKG die DDR Heimkinder. Zu diesem Zweck nahm ich am Wordshop des runden Tisches teil um die Aufarbeitung mit zu unterstützen und auch für die Ostheimkinder zu kämpfen das sie an diesem runden Tisch mit einbezogen werden. Viele Historiker und Wissenschaftler befassen sich seit einiger Zeit auch mit der  DDR Heimerziehung und kämpfen für gleiche Annerkennung des Unrechts .

In dem Protokol steht : Frau Kuzia ( Vertreterin der UOKG ) berichtet über unerfreuliche und schwierige Erfahrungen bei der Akteneinsicht in Bezirksämtern. Grundsätzlich müsse verhindert werden das weiterhin die Akten vernichtet oder gesäubert werden.

Das OSZ lädt eine Zeitzeugin ein

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Horizonte

 

 

Im Deutschunterricht des ersten Halbjahres der Klasse 11 haben wir das Buch „Weggesperrt“ von Grit Poppe gelesen. Darin geht es um die Jugendliche Anja und ihre Erlebnisse in Kinderheimen und im Jugendwerkhof Torgau.
In Torgau befand sich von 1964 bis 1989 der einzige geschlossene Jugendwerkhof der ehemaligen DDR, welcher der Bildungsministerin Margot Honecker persönlich unterstellt war. Keiner wusste, was dort wirklich geschehen ist, denn Betroffene wurden durch Stillschweigeerklärungen mundtot gemacht.

Im Deutschunterricht des ersten Halbjahres der Klasse 11 haben wir das Buch „Weggesperrt“ von Grit Poppe gelesen. Darin geht es um die Jugendliche Anja und ihre Erlebnisse in Kinderheimen und im Jugendwerkhof Torgau.
In Torgau befand sich von 1964 bis 1989 der einzige geschlossene Jugendwerkhof der ehemaligen DDR, welcher der Bildungsministerin Margot Honecker persönlich unterstellt war. Keiner wusste, was dort wirklich geschehen ist, denn Betroffene wurden durch Stillschweigeerklärungen mundtot gemacht.
Einen kurzen Einblick in die Lebensumstände von Torgau vermittelte uns der Film „Schlimmer als Knast“. Er stimmte uns auf das ein, was uns in den nächsten zwei Stunden erwarten sollte. Hier kamen weitere Zeitzeugen zu Wort, aber auch ein Erzieher und ein Arzt. Das Knallen der Zellentüren im Film lässt Frau Kuzia heute noch jedes Mal zusammen zucken.
Anschließend schilderte uns Kerstin Kuzia in äußerst beeindruckender Art und Weise ihre Kindheit und Jugend. Gern beantwortete sie uns alle Fragen. Die Begegnung mit ihr war ein echtes Gespräch, da auch mittendrin immer wieder Fragen gestellt und beantwortet wurden. Uns allen ging ihre Vergangenheit sehr nahe. Viele hatten Tränen in den Augen oder bekamen während des Gespräches eine Gänsehaut.

Das was damals passiert ist, darf  nie in Vergessenheit geraten! Wir sind Kerstin Kuzia sehr dankbar dafür, dass sie uns diesen Einblick in die Vergangenheit gewährt hat.

 

Bericht von Anika Wolter und Marie Behnicke
GOST 11

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Ausstellungen zur Jugend in der DDR

Hommage an Kerstin Kuzia

 

Schülerinnen und Schüler des 13LK-Geschichte haben das von Frau Kuzia aus ihrem privaten Fundus zur Verfügung gestellte Material (ihre Briefkorrespondenz, Fotos, Zeugnisse, Unterrichtsmitschriften, Lieblingsjugendbücher usw.) gesichtet, bearbeitet und die Ergebnisse auf Plakaten - in einer kleinen Ausstellung mit dem Titel: Hommage an Kerstin Kuzia  - festgehalten.

Rechts Stacheldraht. Links Beton. Vor ihr ein  Eisentor. 
– Und hinter ihr schließt sich das zweite.

Sommer 1984: Kerstin Kuzia, 16 Jahre alt, steht in der Eingangsschleuse zum einzigen geschlossenen Jugendwerkhof der DDR: Torgau. Hier wurden Jugendliche aus den insgesamt über 60 Jugendwerkshöfen der DDR hingebracht, wenn sie negativ aufgefallen sind. Das konnte alles bedeuten, von einem Widerwort bis zu einem kleineren Diebstahl - wirkliche Straftäter gab es dort keine. Zumindest waren sie es vor ihrer Einweisung nicht. Denn Gewalt war an der Tagesordnung: nachts, in den verriegelten Schlafräumen, rächte sich die Gruppe am Einzelnen, der durch Versagen beim brutalen Drillsport die Anordnung von "Gruppenstrafsport"bewirkt hatte. Diese "Selbsterziehung" war von den so genannten Erziehern in Torgau eingeplant und wurde willentlich herbeigeführt. Sie fand in Form von Gewalt und teilweise auch sexuellen Übergriffen statt.

Die Betroffenen entwickelten eine Todesangst, die sie antrieb und zu schier unglaublichen körperlichen Leistungen befähigte: ein Beispiel ist der "Torgauer Dreier". Dabei springt der Schüler aus der Hocke in den Strecksprung, um sofort in eine Liegestütze zu fallen, woraufhin er unverzüglich wieder einen Strecksprung ausführt. Kerstin Kuzia brachte es einmal auf 250 Durchgänge dieser qualvollen Übung. Besonders schmerzhaft wurde diese Übung, wenn sie bei von aggressiven Reinigungsmitteln wunden Handflächen auf dem mit Split ausgelegten Hof ausgeführt werden musste. Dann freute man sich sogar über zusätzliche Hanteln, die den Händen ein wenig Schutz boten.

Doch es gab nicht nur körperliche Qualen zu erdulden. Die Jugendlichen wurden vom Moment ihrer Einweisung an auch psychisch massiv unter Druck gesetzt. Die ersten drei Tage verbrachten sie einer Zelle mit einem kleinen Fenster, in der sie sich nur auf Anweisung setzen durften und sonst mit Blick zur Tür in der Mitte des Raumes stehen mussten. Auch später bestand die Gefahr, hierher zurückverwiesen zu werden. Bei auffälligem Verhalten und Ungehorsam drohten bis zu zwölf Tage Einzelarrest! In dieser Stille und Einsamkeit sollte der Wille der jungen Menschen gebrochen werden. Sie wurden gezwungen die Hausordnung auswendig zu lernen – bei Nichtgelingen folgte Nahrungsentzug. 

Die wohl schlimmste psychische Belastung war das 24 Stunden lang geltende Sprechverbot. Zu keinem Zeitpunkt war es den Insassen erlaubt sich ungefragt an die Erzieher zu wenden. Der Zugang zu Trinkwasser war absolut nicht gegeben. Das ist sehr wichtig denn so wird klar wie wenig die 3 Tassen Tee, die man am Tag bekam waren. Der Gang zur Toilette erfolgte nur in Gruppen von mindestens fünf Personen. Trennwände gab es nicht. Eine weitere Einrichtung Torgaus fiel hier sehr unangenehm auf: Bei strikter Trennung von Mädchen und Jungen in allen Lebensbereichen, gab es für die Mädchen ausschließlich männliche und für die Jungen ausschließlich weibliche Aufsichtspersonen.

Persönlicher Besitz, Schminke und offen getragene Haare waren verboten. Durch Einheitskleidung und einen Einheitshaarschnitt von drei mm Länge sollte auch äußerlich jede Individualität unterbunden und die "Kollektiverziehung"gefördert werden. Die strikte Planung und Systematisierung dieser Einrichtung und ihre Wirkung auch auf die Umgebung wird deutlich, wenn man hört, dass jede in der Nähe Torgaus ausgebildete Friseurin eine Stillschweigenserklärung unterschreiben musste - für den Fall, dass sie einmal den dortigen Jugendlichen die Haare scheren müsste. Genauso erging es Kerstin Kuzia, nachdem sie diesen Wahnsinn vier Monate lang ausgehalten hatte und am 5.12.1984 entlassen wurde. Bis zu ihrem 21. Lebensjahr, wurde ihr gedroht, könne man sie bei Brechen des Schweigens zurückholen. – Ein wirksameres Druckmittel konnte es für ehemalige Insassen Torgaus nicht geben.

Natürlich geht eine solch brutale Behandlung nicht spurlos an den Betroffenen vorüber, viele spüren ihr Leben lang die Auswirkungen der dortigen psychischen Belastung. Einige der Jugendlichen hofften, den menschenunwürdigen Lebensbedingungen durch Selbstverstümmelung entkommen zu können. Doch auch während eines Krankenhausaufenthaltes, nachdem jemand zum Beispiel Schrauben verschluckt hatte, gab es keine unbeobachtete Minute. Und nach abgeschlossener Behandlung ging es sofort zurück in den einzigen geschlossenen Jugendwerkhof der DDR: Torgau.

Svenja Goliasch (13LK-Geschichte)

Zeitzeugin besucht Schule

Zeitzeugin besucht Schule

Ein Opfer des SED-RegimesVON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 04.11.2010 - 09:02

Düsseldorf (RP) Kerstin Kuzia ist erst 43 – und Frührentnerin. Sie leidet unter Spätfolgen ihres Aufenthalts in dem "Jugendwerkhof Torgau", einer gefürchteten Disziplinierungsanstalt der DDR. Vor Schülern schilderte sie ihr Schicksal.


Carolina (15) und Samantha (17) liegen sich mit Kerstin Kuzia in den Armen. Dabei haben die beiden Mädchen die 43-jährige Berlinerin vor nicht einmal eineinhalb Stunden zum ersten Mal gesehen. Warum sie so emotional reagieren? "Sie hat mich mit ihrer Geschichte zutiefst berührt, ich hatte Gänsehaut", sagt Carolina.

 

Kuzia hat den Schülern der Klasse 10 b der Katholischen Hauptschule St. Benedikt von ihrer Kindheit in der DDR erzählt, die sie seit ihrem sechsten Lebensjahr in Heimen verbracht hatte. "Wer kritische Fragen stellte, kippelte, Betten nässte oder an Fingernägeln kaute, wurde als schwer erziehbar eingestuft." Mit sozialistischer Einheitserziehung "hat man dann versucht, uns zu erdrücken". Die Ideen dafür entwickelte Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung und Frau des Staatsratsvorsitzenden der DDR.

 

Vorwurf Massenausbruch

Wer auch in den Spezialkinderheimen als "Rebell" auffiel, kam nach Torgau, in den einzigen geschlossenen Jugendwerkhof der DDR. Eine Einrichtung, in der Jugendliche nach offizieller Darstellung eine Ausbildung machen sollten. Wer aber in die Augen jener blickte, die von dort zurückkehrten, wusste: In Torgau wurden Menschen gebrochen, dort war die Hölle. Kuzia brachte als 16-Jährige der Vorwurf, Organisatorin eines Massenausbruchs zu sein, nach Torgau. Dabei hatte das verzweifelte Mädchen nur im Zorn gedroht abzuhauen, ohne es ernsthaft zu wollen.

An den Spätfolgen dieses Aufenthalts leidet Kuzia bis heute: Wenn sie an das Quietschen des sich hinter ihr schließenden Tors des Baus, der zuvor ein Gefängnis gewesen war, denkt, treten ihr Tränen in die Augen. Sie erzählt von der Ungewissheit in dem vergitterten "Empfangsraum", in dem sie stundenlang alleine stand; von dem dreitägigen Einweisungs-Arrest, der nichts anderes war als eine "Schocktherapie"; davon, wie ihr die Haare geschoren wurden, wie sie sich vor männlichen Erziehern nackt ausziehen und mit erhobenen Armen ausharren musste (Jungs wurden Erzieherinnen zugeteilt).

Kuzia erzählt von den Tagen, die nur manchmal mit Frühstück, aber immer mit erschöpfendem Sport im Hof begannen und nach acht Stunden harter Arbeit auch damit endeten. Bei nicht konformem Verhalten eines Einzelnen gab's Extra-Strafen für die gesamte Gruppe. Sie musste dann zum Beispiel in der Hocke das Treppenhaus hinauf und wieder hinunter gehen – und das 30-mal. Auch auf Toilette durfte man nur in Fünfergruppen, ohne Trennwand. Wer außerplanmäßig musste, durfte nicht. "In die Hose zu machen, war Beschädigen von Volkseigentum. Darauf stand wiederum Strafe", erklärt Kuzia. Die Schüler sind fassungslos.

Außer Treppensteigen im Entengang und dem "Torgauer Dreier" (je 150 Kniebeugen, Liegestützen, Strecksprünge ohne Pause) gab es als Strafe zwei Tage in der lichtlosen, feuchten "Dunkelzelle" für Mädchen, für Jungs im "Fuchsbau", 0,6 Meter breit und 1,20 hoch.

"Das ist voll schlimm so zu leben", sagt Alice (16) im Anschluss. "Es ist schlimm, wie Kinder in ihrem Willen gebrochen und psychisch missbraucht wurden", fasst es Alexander (16) zusammen.

Zur Person 

Kerstin Kuzia (43) lebt in Berlin.  Nach Düsseldorf kam sie auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Beatrix Philipp. Das Buch „Weggesperrt“ von Grit Poppe spiegelt ihr Schicksal.

 

 

 

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